Wer denkt hier eigentlich – wir oder die KI?
Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag – und zunehmend auch die Art, wie wir über uns selbst nachdenken. Zum World Mental Health Day am 10. Oktober 2026 rückt deshalb eine Frage in den Mittelpunkt, die weit über Bildschirmzeit und Digital Detox hinausgeht: Wie bleiben wir mental gesund und geistig autonom in einer Welt, in der Algorithmen immer stärker mitbestimmen, was wir sehen, wissen und entscheiden?
Die Tech-Philosophin Céleste Spahić und der Medienexperte Marinko Spahić beschäftigen sich in ihrem Buch „Unlock your [aɪ]dentity“ genau mit dieser Entwicklung. Im Zentrum steht die Frage, wie Menschen ihre Deutungshoheit über das eigene Denken und Handeln bewahren können, während Social Media, Algorithmen und generative KI zunehmend Teil des persönlichen Lebens werden.


Dabei verstehen die Autoren Künstliche Intelligenz nicht ausschließlich als Risiko. Vielmehr zeigen sie Möglichkeiten auf, KI bewusst als Reflexions- und Denkpartner einzusetzen. Eine umfangreiche Prompt-Toolbox soll dabei helfen, generative KI nicht nur zur Informationssuche zu nutzen, sondern für Selbstreflexion, Perspektivwechsel und persönliche Weiterentwicklung. Entscheidend bleibt dabei die menschliche Fähigkeit, Ergebnisse einzuordnen, kritisch zu hinterfragen und eigene Entscheidungen zu treffen.
Damit verschiebt sich auch der Blick auf mentale Gesundheit im digitalen Zeitalter. Es geht nicht allein darum, weniger Zeit am Bildschirm zu verbringen. Ebenso wichtig wird die Frage, welche menschlichen Fähigkeiten wir gezielt stärken müssen, wenn Maschinen immer mehr Informationen verarbeiten, Vorschläge machen und Entscheidungen vorbereiten. Kritisches Denken, Selbstreflexion und geistige Autonomie werden damit zu Fähigkeiten, die im Umgang mit KI eine neue Bedeutung bekommen.
Céleste und Marinko Spahić verbinden ihre Perspektive mit langjähriger Erfahrung im Bereich mentaler Gesundheit und Digitalisierung. Gemeinsam gründeten sie das mehrfach ausgezeichnete HealthTech-Start-up MINDZEIT sowie das KI-Bildungsprogramm [ai]fluencer. In „Unlock your [aɪ]dentity“ geht es ihnen letztlich um eine sehr menschliche Frage: Wie können wir die Möglichkeiten neuer Technologien nutzen, ohne dabei den Zugang zur eigenen Identität, zum eigenen Denken und zur eigenen Entscheidungskraft zu verlieren?
Rund um den World Mental Health Day stehen die Autoren für Interviews, Gastbeiträge und Hintergrundgespräche zur Verfügung. Ein Thema, das aktueller kaum sein könnte: In einer Welt, in der KI immer mehr Antworten liefert, wird die Fähigkeit, die richtigen Fragen selbst zu stellen, vielleicht wichtiger denn je.
© Ariston
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